HIFU - (Hoch-intensiver fokussierter Ultraschall)
Das Prostatakarzinom ist eine der am meisten verbreiteten Krebsarten in westlich- industrialisierten Ländern mit einer Inzidenz von 57/100.000 männlichen Bevölkerung. In den
letzten 2 Dekaden ist aufgrund der verbesserten Diagnostik
(Prostata-spezifisches Antigen/PSA) eine deutlich größere Anzahl der
Männer mit einem Prostatakarzinom erkannt und behandelt worden. Die
höhere Erkennungsrate ist aber auch mit der steigenden Anzahl der
Männer verbunden, die ab Ihrem 45. Lebensjahr zu den jährlichen
Vorsorgeuntersuchungen zu Ihrem Urologen gehen.Durch die Bestimmung des PSA und der Prostatauntersuchung entstehender Verdacht auf eine bösartige Erkrankung der Prostata muss zuerst 100% mittels einer Ultraschall-gezielten Prostatabiopsie (s. Informationsblatt zur Stanzbiopsie) verifiziert werden. Falls ein Prostatakarzinom („Prostatakrebs“) festgestellt worden ist, stehen den betroffenen Männern eine ganze Reihe an verschiedenen Behandlungsmethoden zu Verfügung. Bei jedem einzelnen Patienten mit einem nachgewiesenem Prostatakrebs wird aufgrund des vorliegenden Tumorstadium, PSA-Wertes, Tastbefundes usw., individuelle Entscheidung mit dem Patienten über die für Ihn besten Therapieoption gewählt und besprochen.
Im Fall eines lokal-begrenzten Prostatakarzinoms ist die erste Therapie der Wahl eine offene radikale Entfernung der Prostata und der regionalen Lymphknoten. Diese Therapie ist jedoch für die Patienten belastend und nicht alle Männer können diese Art der Therapie erhalten. Zwar kann sie in bis zu 80% der Fälle zu einer langfristigen Heilung des Prostatakrebses führen, ist jedoch mit Blutverlust, möglichem Potenzverlust, dem geringen Risiko einer Harninkontinenz, einem längeren stationären Aufenthalt, sowie einer Rekonvaleszenzphase verbunden.
Weitere Behandlungsmethoden des lokal begrenzten Prostatakarzinoms sind: externe Bestrahlung oder die Implantation von radioaktiven Kapseln in die Prostata (Brachytherapie oder Seeds- Implantation). Beide Methoden können als eine Alternative zur radikalen Prostataentfernung betrachtet werden, die Langzeitnachbeobachtungen weisen aber eine etwas schlechtere Tumorkontrolle. Erektionsstörungen treten zeitlich etwas verzögert auf.
Als weniger invasive Prostatakrebsbehandlung wird die Methode des hoch energetischen, fokussierten Ultraschalls (HIFU) seit 1996 angewandt. Diese Methode soll das Prostata-Karzinom an seiner Entstehungsstelle direkt beseitigt oder zumindest verkleinert und somit unter Kontrolle gehalten warden (s.Abb. n°1 und 2). Blutung oder starke Harninkontinenz wurden bei den bisher durchgeführten weltweit über 11.200 Behandlungen mit dieser Methode selten beobachtet (< 1%). Ein Potenzverlust kann bei dieser Methode, wenn beide Prostatalappen komplett behandelt werden, ebenso wie bei der Radikaloperation entstehen, ist aber etwas unwahrscheinlicher (ca. 50%).
Ein Vorteil der HIFU Methode ist, dass diese in kaum belastender regionalen Anästhesie durchgeführt wird und unblutig ist. Die Behandlungsdauer hängt von der Prostatagröße ab und liegt zwischen 2 und 3 Stunden.
Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes nach dem Eingriff liegt bei ca. 5 Tagen. Schmerzen im Bereich des kleinen Beckens nach dem Eingriff sind sehr gering. Durch die Behandlung entstehende Hitzeeinwirkung kommt es nach dem Eingriff zum Anschwellen der Prostata und damit verbundenen Problem des Wasserlassens. Aus diesem Grund wird vorbeugend eine Abhobelung (TUR-P: transurethrale Prostataresektion) und Einlegen eines Blasen-Bauchdeckenkatheters für einige Tage durchgeführt.
Die Schwere und das Risiko des Eingriffs ist deutlich geringer als bei einer Schnittoperation.
Schwerwiegende Komplikationen unmittelbar während oder nach der Behandlung mit HIFU sind selten.
Die Bildung einer „Fistel“, das heißt einer Verbindung zwischen Darm und Harnröhre war insgesamt selten (1%). Bei lokal nicht voroperierten/bestrahlten Patienten war es bisher nicht aufgetreten.
Eine individuelle Langzeit Erfolgsgarantie kann nicht gegeben werden, es liegen jedoch mittlerweile medizinische Erfahrungen mit statistischen Auswertungen über einen Zeitraum von mehr als 5½ Jahre an verschiedenen Krankenhäusern in gesamten Europa. Es wurden nach Tumorstadium bei Biopsiekontrollen bis zu 93,4% tumorfreier Biopsien nachgewiesen. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 22,2 Monaten lag der letzte gemessene PSA- Wert bei 73,7% der Patienten unter 0,4 ng/ml, was auf eine gute Heilungschance hinweist. Die Heilungsrate liegt somit – wie bei allen anderen Therapien - nicht bei 100%.
Sollte es also während der Nachsorge ein Verdacht auf das Wiederauftreten des Prostatakrebses kommen, werden durch den Einsatz von HIFU (hoch energetisch fokussiertem Ultraschall )- im Gegensatz zu anderen Therapien – keine weiteren Behandlungsoptionen ausgeschlossen: Die Behandlung kann - zumindest einmal – wiederholt werden. Zusätzlich kommen die Bestrahlung der Prostata, die Hormontherapie sowie in Ausnahmefällen die Schnittoperation in Frage, auf die schon oben hingewiesen wurde. Bei wenigen Patienten mußte erwartungsgemäß wegen Fortschreiten des Prostatakrebses eine Zusatzbehandlung eingeleitet werden.